Die Arisierung der Porr AG und ihre profitable Mitwirkung im Nationalsozialismus und im Austrofaschismus - Erste Rechercheergebnisse

Aktiver Admin am Sa, 14.10.2017 - 14:57

Beginn einer Recherche, weitere Informationen bitte an konktakt@aktive-arbeitslose.at!

Links im Text: eigene Recherche (auch hier bitte um Vorschläge!)

Endlich kam Adolf Hitler als unser Befreier und damit die Zuversicht auf Arbeit und Brot und ein geregeltes Leben. Es gin ein einstimmiger Jubel durch das Land und wie alle Teile der Bevölkerung, so ist auch die Bauwirtschaft entschlossen, dem Bauruf des Führers Folge zu leisten.

Porr Vorstandsmitglied Baurat Max Tazoll am 24.8.1938 in seinem Bericht als Leiter der Wirtschaftsgruppe Bauindustrie - Bezirksgruppe Ostmark. Quelle: Stefan Lütgenau/Alexander Schröck: Zwangsarbeit in der österreichischen Bauindustrie. Max Tazoll koordinierte nicht nur die österreichische Bauindustrie mit den Nationalsozialisten, sondern war gemeinsam mit Herzog Ernst August auch im Vorstand der "Flugzeug- und Metallbauwerke GmbH".

Nach dem "Anschluß" Österreichs im März 1938 wurde die Allgemeine Baugesellschaft A. Porr AG ebenfalls "arisiert". Die jüdischen Besitzer traten von ihren Ämtern zurück und Herzog Ernst August verfügte wenig später mit 42,7 Prozent über das größte Aktienpaket. Erst Anfang der 90er Jahre sei das Aktienpaket der Welfen für über 100 Millionen Mark verkauft worden. Der Anwalt des Prinzen hat den Erwerb nicht bestritten, allerdings hinzugefügt: Nicht der Staat habe die Vermögenswerte auf Arier übertragen, sondern die jüdischen Besitzer hätten nach Käufern gesucht, um wenigstens ihr Geld zu retten. Zu weiteren Nachfragen verweist die Anwaltskanzlei in Hamburg auf das Londoner Büro des Prinzen. Dort jedoch konnte man am Dienstag nicht einmal eine Frage loswerden. "No comment", unterbrach der Mann am Telefon und legte auf.a

Quelle: Der Prinz, der Schatz und die Nazis (Die Welt, 4.2.1999)

Der Fall des ermordeten Unternehmers Elbogen kam damals ebenso ans Licht wie der Einstieg von Ernst August bei einem österreichischen Baukonzern, der Porr AG, im Jahr 1942: Damals warfen ihm NS-Behörden vor, einen überhöhten „Entjudungsgewinn“ gemacht zu haben, der durch das Reich eingezogen werden müsse. Dazu kam es jedoch nie. Die Welfen gaben einen Teil der Aktien in den fünfziger Jahren an die Vorbesitzer zurück, einen anderen Teil behielt die Familie bis in die neunziger Jahre.

Welfen und NS-Regime: „Dunkle Geheimnisse des Hauses Hannover“ (Hannoversche Allgemeine, 8.8.2014)

Enkel Ernst August Prinz von Hannover, vermählt mit Caroline von Monaco, bereitet die Geschichte des strammen Großvaters bis heute Probleme. Im Zuge der Arisierung hatte der 1942 die Mehrheit am österreichischen Bauunternehmen Porr AG erworben. Die Porr AG baute in Auschwitz für die IG Farben, das Konzentrationslager stellte die Arbeiter. Ab 1944 war die Porr AG im Konzentrationslager Gusen II tätig, mit KZ-Häftlingen wurden Stollen für die unterirdische Rüstungsproduktion errichtet. Wieweit der Herzog davon unterrichtet war, ist offen, die historische Einordnung jedoch eindeutig. Zeitgeschichter Bertrand Perz bezeichnet die Porr AG als „in die gewaltsame Expansion des NS-Staates involviert“.

Quelle: Der Adel und die Nazis, Teil 2: Reich im Reich

Der letzte Herzog von Braunschweig-Lüneburg kaufte von dem jüdischen Wiener Unternehmer Lothar Elbogen 1938 nach Haft und Folter durchs Regime ein Kaliwerk für die Hälfte des Verkehrswertes; außerdem erwarb er [] ähnlich günstig das Bau-Unternehmen Porr AG, beteiligte sich zudem an der Rüstungsfirma FMW in Wels, die Flugzeuge für die Wehrmacht reparierte und kurz vor Kriegsende noch ein Düsenflugzeug mitproduzierte, das als "Wunderwaffe" in Stollen bei Gusen fabriziert wurde, an deren Errichtung wiederum die Porr AG mitverdiente.

Quelle: Wie die Welfen von der Arisierung profitierten (Süddeutsche Zeitung, 18.8.2014)

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten kam es zu einem völligen Austausch der Unternehmensleitung und großer Teile der Aktionäre. Aktienpakete der Familie Stern und von Siegfried Pick übernahm das Haus Hannover-Braunschweig, welches in der Folge 43% des Aktienkapitals der Porr AG kontrollierte. Vorstand und Aufsichtsrat wurden nun völlig von den dem NS-Regime nahestehenden Haus Hannover-Braunschweig dominiert. Auf Grund der einsetzenden "Kriegskonjunktur" versechsfachte sich die Zahl der Beschäftigten von März 1938 bis Oktober 1939. Die Porr AG war unter anderem beim Bau der Papierfabrik Lenzing stark involviert. Schon bald nach Kriegsbeginn machte sich jedoch Arbeitskräftemangel bemerkbar. Während die Baukonjunktur in Österreich erlahmte führte das Unternehmen zahlreiche Aufträge aus der mit Hitler-Deutschland verbündeten Slowakei durch. Während des deutschen Vormarsches auf Jugoslawien wurde neben anderen Bauten die Kupfegewinnungsanlage Bor nach deren Zerstörung durch abziehende jugoslawische Truppen wiederaufgebaut. Auch am Bau des "Atlantikwalls" war das Unternehmen beteiligt. Ab 1943 bestand der überwiegende Teil der Beschäftigten aus Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, im April 1944 fast 11.000. Mit Einsetzen des Bombenkriegs in Ostösterreich wurden Material und Gerät nach Westösterreich verlegt. Ein Teilverlagerung des Betriebs nach Straßwalchen fand Anfang 1945 statt.

Quelle: Wikipedia

Porr hat mich damals – Anfang der 90er Jahre – gefragt, ob ich nicht die NS-Zeit ausblenden könnte. Dass ich dazu Nein gesagt habe, darüber war man zehn Jahre später sogar froh“, erzählt Stiefel.

Quelle: Swarovski arbeitet NS-Vergangenheit auf. Interview mit Historiker Dieter Stiefel in Tiroler Tageszeitung, 17.2.2013

ehem. Porr-Vorstandsdirektor DI Josef Url

Geb. 1894 in Mürzzuschlag (Steiermark), Vater Bau- und Zimmermeister, Reifeprüfung an der Landesoberrealschule in Graz, Oberleutnant im Ersten Weltkrieg, zahlr. Auszeichnungen, Teilnahme am Kärntner Abwerhkampf, Dipl.-Ing., zuletzt Direktor u. Vorstandsmitglied der Porr Allgem. Baugesellschaft, gest. 1961. Url betätigte sich nicht politisch, war NSDAP-Parteianwärter und verlor nach dem Zweiten Weltkrieg kurzzeitig die Prokura seiner Firma, Stammblatt im Archiv der Allemannia, k-H- Marauschek, DI Josef Url, in: Aula, Jg. 11, Sept. 1961, 24.

Quelle: Für Burschenschaft und Vaterland: Festschrift für den Burschenschafter und Studentenhistoriker Prof. (FH) Dr. Peter Kaupp

Die Porr AG im Austrofaschismus

Die Anton Porr AG profitierte schon im Austrofaschismus von Zwangsarbeit:

Nutznießer dieser Baupolitik waren vor allem die Baufirmen. Die Baufirma von Anton Porr war besipielweise an fast allen Arbeitsbeschaffungsprogrammen des autoritären Ständestaates beteiligt. Aufträge konnten durch Netzwerke und Querverbindungen von Ernst Mosing, des Baudirektors Ottokar Stern und des Baurates Max Tazoll (Fußnote: Tazoll hatte gute Kontakte zum nationalen Lager und requirierte dadurch Aufträge für die Baugesellschaft) lukriert werden. Ein erster großer Bauauftrag nach dem Regimewechsel war der Bau des Wasserbehälter der Wiener Wasserleitung im Lainzer Tiergarten. Dieser wurde im Sinne der Arbeitslosigkeitsbekämpfung mit nur einem Bagger durchgeführt. Dessen Bau kann als wirkliche Maßnahme gegen die Arbeitslosigkeit gesehen werden, da die Versorgung der Stadt durch den steuerbedingten Rückgang des Wasserverbrauchs von 1931 bis 1937 weitreichend gesichert war."

Quelle: Andreas Suttner: Das schwarze Wien: Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938, Seite 73

 

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