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Wider die Inquisition! Die Zerschlagung des AMS als vorläufige Sofortmaßnahme auf dem Weg zur Ablöse der Arbeitsgesellschaft.

Submitted by Aktiver Admin on Wed, 25.06.2014 - 19:19

Ein pragmatischer Vorschlag zur Güte von Peter Oberdammer

Die Inquisition heißt heute AMS

Ein weit her geholter historischer Vergleich? Das AMS verbrennt doch niemanden. Zugeben Scheiterhaufen sind selten, aber die Methoden haben sich eben verfeinert und heißen nun Bezugssperre, Zumutbarkeit und aktivierende Maßnahme. Sterben tun dabei auch die wenigsten, zumindest nicht gleich oder nicht körperlich. Die Bürgerrechte und die Menschenwürde werden aber sofort aberkannt, bevor die materielle Existenz ruiniert wird, physisch, psychisch und sozial. Das machen aber doch auch (andere) repressive Einrichtungen, Polizei, Geheimdienste, Gerichte, die Psychiatrie, etc. Warum gerade die Inquisition? Das AMS und die Inquisition erfüllen eine vergleichbare ideologische Funktion in ihren jeweiligen Gesellschaften.

Die Raserei am Ende der Feudalgesellschaft

Als die Feudalgesellschaft im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit durch schwere Krisen und schließlich ihrer Ablösung entgegen ging, schien für viele die gottgewollte Ordnung zusammenzubrechen. Die Erklärungshoheit der Kirche bekam arge Schrammen. Aber nicht nur diese und andere Eliten versuchten sich an althergebrachte Ordnungen zu klammern; viele Menschen wünschten sich Stabilität und suchten diese im Bestehenden. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Umbrüche dieser Zeit mit einer extremen Brutalisierung der Gesellschaften einherging, einer Vorbreitung auf die Moderne, in der sich das bürgerliche Subjekt über das Töten und Getötet-Werden zu definieren begann. So vorbereitet war man dann bereit für alle Arbeitsschlachten und Kokurrenzgemetzel, die in der Moderne anstehen sollten.

Die jedenfalls, die die Umbrüche nicht wahr haben hatten wollen, riefen nach Schuldigen und verlangten Menschenopfer, in der vergeblichen Hoffnung, damit die höheren Mächte besänftigen und die alte Zeit noch einmal heraufbeschwören zu können. Und die Kirche kam diesem psychosozialen Bedürfnis nach und ließ die Scheiterhaufen lodern, um das Schwinden ihrer Macht und Deutungshoheit zu verzögern und zu verschleiern. So ging ein Rasen durch die Gesellschaft. Wie heute!

Strukturwandel und Verteilungskämpfe

Und was hat das mit dem AMS zu tun? So wie am Ende der Feudalgesellschaft den Grundherrn die Bauern zum Ausbeuten abhanden kamen, werden heute die Arbeitskräfte aus denen man Profite, Steuern und Sozialleistungen ziehen könnte, immer weniger. Die „hohen Herren“ betrachten das auch heute allemal mehr aus ihrem eigenen Blickwinkel, als dem des Massenelends. Nicht um das Elend einzudämmen, will man die Massen wieder „in Brot“ bringen, sondern in der Hoffnung das Vehikel auf dem man reitet in Bewegung zu halten. Die Versuche die Kuh, die man melken will, wieder einzufangen, waren damals wie heute zum Scheitern verurteilt. Die Bauern liefen ebenso wenig aus Jux und Tollerei von ihren Höfen fort, wie heute Arbeitslose ihre Jobs einfach so hinschmeißen. Die dafür verantwortlichen strukturellen gesellschaftlichen Entwicklungen waren damals und sind auch heute stärker als alle Beschwörungen.

Die technologische Entwicklung kündigt unwiderruflich ein Ende der Arbeitsgesellschaft an und aktuelle Krisen zeigen, dass sich Extraprofit nur mehr in der Spekulation erzielen lässt - solange diese gut geht. Die Maschinen arbeiten (fast) ohne Arbeitskraft, Wissen ist die Hauptproduktivkraft geworden, und nach zwei Stunden Vorlesung in Volkswirtschaftslehre kann jeder verstehen, dass es Vollbeschäftigung nicht mehr geben wird. Die Stakeholder in dieser Gesellschaft in den Verwaltungen, politischen Bürokratien und Managementetagen wollen das natürlich nicht wahr haben – und mit ihnen die Mehrzahl der Betroffenen. So schwierig es für die Ware Arbeitskraft auch geworden sein mag, die Krise könnte ihre Besitzer doch nach gesellschaftlichen Alternativen jenseits der Lohnarbeit Ausschau halten lassen. Das wollen die heutigen Eliten genauso wenig dulden, wie die Kirche in der frühen Neuzeit die Zweifel ihrer Schäfchen an der – gerade zerbröckelnden - gottgewollten Ordnung oder die Grundherrn die Idee, entlaufene Bauern könnten anderswo ohne Herrn ein Auskommen finden.

AMS-Großinquisitor Dr. Herbert BuchingerDie Raserei am Ende der Arbeitsgesellschaft

So predigt es heute, „Ihr braucht Arbeit, Arbeit, Arbeit!“, als ob man diese essen könnte, oder es unserer Gesellschaft an materiellen Gütern fehlte, alle anständig zu füttern, zu kleiden, zu behausen, zu bilden, usw. Damit niemand das Credo in Zweifel zieht, muss an denen, die keine Arbeit mehr haben, drastisch demonstriert werden, wie prekär ihre Lebensgrundlage als Arbeitslose geworden ist - indem man sie schikaniert, diskreditiert, entrechtet und ständig mit dem willkürlichen Entzug der – oft sowieso kaum Existenz sichernden - materiellen Lebensgrundlage bedroht. Das sind die Scheiterhaufen die heute brennen und nachhelfen, dass die Masse die Gebetsformeln der Arbeitsreligion nicht vergisst: Nur wer verwertbar ist und Profite, Steuern und Sozialabgaben abwirft, hat ein Existenzrecht in der Stadt Mahagony, in der man alles darf, nur nicht zahlungsunfähig sein.

Die „Deserteure“ von der Arbeitsfront gefährden schließlich die Finanzierung „unserer“ Renditen, Budgets und Sozialsysteme. „Auf den Scheiterhaufen mit den Sozialschmarotzern!“, tönt es auch aus des verängstigten Volkes Mund, das sich die eigene prekäre Situation nur aus den Sonntagspredigten der Priester erklären kann und seine aufgestaute Angst gerne in der Aggression gegen Sündenböcke abführt.

Das Boot ist zwar angeblich voll, wenn es - vermeintlich oder tatsächlich – um die Chancen auf Selbstverwertung geht, die Arbeitsgaleere kann aber gar nicht voll genug sein, um der vergeblichen Hoffnung, das vor sich hintümpelnde Gefährt könnte wieder Fahrt in Richtung „Wachstum“ aufnehmen, Nahrung zu geben. Ballast muss daher über Bord, und wer nicht rudert ist Ballast. Dass es gar nicht genug Ruderbänke gibt, stört bei der Suche nach Schuldigen nicht. Und die Kapitäne hoffen inständig, dass niemand die Sandbank bemerkt, auf der man längst sitzt: Schließlich haben sich Wachstum und Beschäftigungsniveau in unseren Zeiten nachhaltig entkoppelt.

Das AMS als Schlachtpriester

Während die Hohepriester der Wirtschaftwissenschaft ihre alten Zaubersprüche umso inbrünstiger murmeln, und ihren Tabellen- und Grafikenweihrauch in trancehaften Beschwörungstänzen immer wilder schwenken, übernimmt das AMS die Rolle der Schlachtpriester, die im Zustand allgemeiner Raserei die Zahl ihrer Opferrituale beständig steigern, wie einst ihre aztekischen Vorgänger kurz vor dem Zusammenbruch von deren Reich. Es sollen ja alle glauben, die gottgewollte Ordnung bricht nicht zusammen, der Warenfetisch und damit die Lohnarbeit dürfen nicht untergehen.

Die Funktionalität des AMS als quasireligiöse, vornehmlich ideologischen Zwecken dienende Institution erklärt auch, warum seine Mitarbeiter in aller Regel keine Ahnung von Dingen haben, für die sie vorgeblich da sind: dem Arbeitsmarkt, Berufsfeldern und deren Qualifikationsanforderungen, Arbeitsrecht, Bildungsmaßnahmen, etc. Die eigenen Statistiken über das Verhältnis der Jobsuchenden und offenen Stellen ignorieren die AMS-Priester (und Mesner) grundsätzlich und fragen einen scheinheilig, warum man keinen Job hat bzw. findet. In deren Katechismus ist das die Frage nach den Sünden, für die sie einen büßen lassen könnten.

Von den „Schulungs- und Wiedereingliederungsmaßnahmen“, die sie dann als Buße aufbrummen, kennen sie nur die Namen, die auf ihrer Sollliste stehen. Die freche Frage, was man darin lernen soll, fassen sie blasphemisch auf. Die Götter gebieten es, und auf den Inhalt kommt es dabei ja meist wirklich nicht an. Hauptsache es wird gebüßt und das statistische Plansoll erfüllt. So absurd und sinnentleert, wie „die Wirtschaft“ abstrakten Profitziffern nachläuft und dabei Mensch und Natur ruiniert, jagen die bürokratischen Planwirtschaftler ohne Rücksicht auf Kollateralschäden ihrem Zahlenfetisch hinterher. Hochämter, bei denen der Zahlenweihrauch gebraucht wird, gibt es schließlich viele: Wahlkämpfe, Pressekonferenzen des Ministers, Spardionysien, genannt Budgetverhandlungen, usw.

Als öffentlich Bedienstete haben sie keine Ahnung von privaten Arbeitsverhältnissen oder gar den euphemistisch „frei“ genannten Kontrakten der Prekarisierten. Aber ständig urteilen Sie darüber, wenn Sie auf der Suche nach Sünden ihrer Schäfchen sind. Schon systembedingt kann der einzelne Mitarbeiter natürlich keinen Überblick über alle sich rasant verändernden Berufsfelder haben, und so bringt manchen eine nicht vertraute Berufsbezeichnung zur Verzweiflung - und Aggression gegenüber deren Träger.

Das ist nicht individuelles Versagen und nicht die katastrophale Inkompetenz der HR-Abteilung des AMS, sondern hat System. In Wirklichkeit ist die Aufgabe des AMS das rituelle Schlachtopfer, ob sich der einzelne Mitarbeiter dessen bewusst ist oder nicht. Und je weniger einer weiß, umso schneller fühlt er sich überfordert oder seinen Klienten unterlegen. Da dient dann die willkürliche Machtausübung nicht nur dem rituellen Zweck sondern unter Umständen auch der Kompensation persönlicher Minderwertigkeitskomplexe. So produziert man willige Henker und ihre Gehilfen, die gerne an die – nach Sühne schreiende - Niedertracht ihrer Opfer glauben wollen. Alle Systeme haben immer noch die angezogen, die für ihre Aufgaben eben am besten disponiert waren.

Die Zerschlagung des AMS als erster Schritt des Abschieds von der Arbeitsgesellschaft Zu wissen, warum man auf den Scheiterhaufen geschleppt oder aufs Rad geflochten wird, ist in der Regel nicht viel Trost. Vielmehr gilt es unsere Existenz umso mehr zu sichern, als wir unsere Kräfte brauchen werden, um aus den Trümmern des jetzt zerbröckelnden Systems eine lebenswertere Alternative herauszuhämmern.

Solange Geld und Ware noch regieren, kann man die bestehenden sozialen Sicherungssysteme nicht ersatzlos streichen, und auch das bedingungslose Grundeinkommen als mittelfristige Übergangslösung ist nicht unmittelbar in Sicht. Schon wegen seiner unrühmlichen ideologischen Rolle kann das AMS aber nicht bleiben, wie es ist. Die Inquisition hätte man noch ersatzlos abschaffen können, und, wer ihr entfliehen hatte können, war weiter grundsätzlich in der Lage, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Mit dieser Autonomie des Einzelnen hat die Moderne bekanntlich aufgeräumt, und wir alle benötigen immer noch den Staat in der einen oder anderen Form, nur um unsere Existenz zu sichern.

Was also tun mit dem AMS? Im Folgenden ein pragmatischer 3-Punkte-Vorschlag, der ohne große systemische Änderungen die Spielräume für die „Arbeitslosen“ entscheidend verbessern könnte - und den kein vernünftig denkender Mensch ablehnen kann. Freilich gibt es diese nur selten, wo der religiöse Wahn dominiert. Aber diesem weit verbreiteten Bewusstseinszustand können wir unser Denken nicht unterwerfen.

Das AMS ist eine Versicherung

Um die soziale Sicherungsfunktion des AMS wiederherzustellen, ist es zurückzuführen auf das, was es ursprünglich sein sollte: Eine Versicherung. Eine solche braucht eine Buchhaltungsabteilung und eine Schadensabteilung. Erstere zahlt aus, nachdem zweitere die Schadens-, besser Versicherungsfälle aufgenommen hat. Im Konkreten heißt das, wer kein Einkommen oder kein ausreichendes Einkommen mehr lukreiert, meldet dieses und belegt es mit einem Auszug der Sozialversicherung oder einer Bestätigung über die Einkommensteuer.

Bei wirklich größeren Vermögen kann eine Vermögenserklärung dazukommen, die vermutlich auch über Bestätigungen der Steuerbehörden abzudecken ist. Es braucht keine Zweiterhebung von Tatbeständen durch das AMS, die sowieso schon von anderen Behörden mit notorisch überbordender Neugier erhoben wurden, keine Hobbydetektive des AMS, die feststellen, ob auf der Suppe des Arbeitslosen zu viele Fettaugen schwimmen.

Bildung für Menschen, nicht „die Wirtschaft“

Aber was werden wir nur ohne die vielen qualitätsvollen Bildungsangebote machen, mit denen uns das AMS das Leben schöner und unsere Arbeitskraft so viel wertvoller macht? Vorderhand ist und bleibt die Bereitstellung von Bildungsangeboten eine staatliche Aufgabe. Es ist aber weder einzusehen, dass diese auf die Beschulung in jungen Jahren beschränkt, und Bildungsangebote für Erwachsene nur bei unmittelbarer ökonomischer Verwertbarkeit am Arbeitsmarkt gefördert werden sollen.

Demnach sind Angebote für „Arbeitssuchende“ mittelfristig in ein generelles Angebot für Erwachsene einzugliedern, wofür eine Versicherung nun wahrlich nicht der geeignete Träger ist. Ein Ausbau von Bildungsberatungseinrichtungen mit Fördermöglichkeiten für alle bis zu einer gewissen Einkommensgrenze, nicht nur Arbeitslose, ist daher anzustreben.

Die Verschlankung des AMS-Apparates würde dafür auch Ressourcen frei machen. Längerfristig hat auch die Unterscheidung von Berufsbildung und Allgemeinbildung zu verschwinden, da jeder Erwerb auch spezieller Kenntnisse und Fertigkeiten als eine selbst bestimmte Aktivität der Persönlichkeitsentwicklung zu gestalten ist. Drillkurse, die nur sprechende Papageien produzieren oder unzusammenhängende Handgriffe antrainieren, brauchen wir sowieso nicht.

Arbeitsvermittlung als Dienstleistung, nicht als Zwang

Schon angesichts der objektiven wie subjektiven Unfähigkeit des AMS zur Arbeitsvermittlung, kann eine solche natürlich in Hinkunft nicht mehr mit den Versicherungsagenden vermischt werden. Welchen Sinn sollte es auch machen eine - in der Regel veraltete - Datenbank mit Stellenausschreibungen online zu stellen, und dann noch zusätzlich einen gewaltigen Apparat zu halten, um diese für das breite Publikum auszudrucken, meistens nicht einmal mit soviel Verstand, dass die Stellen dann halbwegs mit der Qualifikation des Betreffenden übereinstimmen.

Man kennt ja den Dialog: “Entschuldigen Sie, ich weiß Sie suchen einen Biologen und ich bin ein Geisteswissenschafter, aber das AMS hat mich halt zu gewiesen.“ „Ja, Ja, das ist ja nicht Ihre Schuld. Das AMS macht immer so was.“ Schlechter können es die Arbeitssuchenden auch nicht machen. Manche werden jetzt vielleicht fragen, brauchen wir Arbeitsvermittlung überhaupt noch. Viele sicher nicht.

Andererseits gibt es zwei gute Gründe eine Arbeitsvermittlung in einer anderen Form weiter möglich zu machen. Vorderhand werden immer noch viele eine Anstellung, die sie ohne Zwang annehmen können, vorziehen, nicht nur wegen der Einkommensdifferenz. Zweitens, wird bis zur Durchsetzung des bedingungslosen Grundeinkommens die Koppelung mit der Erwerbsarbeit in der Arbeitslosenversicherung nicht wegzudiskutieren sein.

Also betrachten wir es auch als ein pragmatisches Zugeständnis an die von der Arbeitsreligion ideologisch Verblendeten, und versuchen wir das Beste daraus zu machen. Arbeitsvermittlung kann aber in Zukunft nicht von einer zentralistischen Arbeitsmarktverwaltung, wie das ganze einmal hieß, bevor es sprachlich zum „Service“ (englisch auch für „Gottesdienst“) verkam, abgewickelt werden.

Es gibt schon jetzt eine Menge privater Arbeitsvermittler. Die werden in Zukunft unter klare gesetzliche Regeln gestellt, insbesondere was die Kundenrechte, wie zum Bsp. den Schutz der Privatsphäre, usw. anbelangt, und für arbeitslose Menschen aus dem Sozialbudget bezahlt. Je mehr Arbeitsvermittler es gibt, ob private oder solche öffentlicher Körperschaften, umso wahrscheinlicher ist es, dass diese durch regionale oder branchenmäßige Spezialisierung, tatsächlich nützliche Informationen für den Kunden bereitstellen können.

Der Arbeitslose beauftragt den Dienstleister seiner Wahl mit der Suche nach einem Job seiner Wahl – wozu haben wir einen „freien Markt“. Alles was der Arbeitsvermittler tut, bedarf der Zustimmung des Kunden. Und wenn letzterer wirklich meint, er braucht Hilfe beim Lesen von Jobinseraten oder beim Schreiben eines Lebenslaufs, so kann er diese in Anspruch nehmen.

Die Arbeitslosenversicherung bekommt nur eine Information, nämlich dass der Betreffende in Betreuung ist. Wir brauchen keine sozialpädagogischen Besserungsanstalten mit totalitären, Existenz bedrohenden Sanktionsmöglichkeiten. Wir sind erwachsen und bleiben das auch, wenn wir arbeitslos sind. Wenn wir unsere Arbeitskraft auf freien Märkten verkaufen wollen, dann nicht als Sklaven, sondern zu dem Preis, den wir für angemessen halten.

Barack Obama about AMSIn der Theorie gut und schön, aber wie sollen den ohne Zwang die ganzen unzumutbaren Jobs besetzt werden, die es „der Wirtschaft“ in letzter Zeit so angetan haben. Die marktkonforme Antwort wäre, eine Nachfrage, die auf kein Angebot trifft, muss eben beim Preis nachbessern. Oh ja, auch gegen Arbeitsmarktpolitik, die dabei hilft Arbeitsplätze attraktiver zu machen, haben wir nichts, allerdings nicht durch öffentliche Subventionen sondern die arbeitnehmerfreundliche Regelung der Erwerbstätigkeit, solange es sie in dieser Form noch gibt.

Nur muss die Arbeitsmarktpolitik dann eben ohne Missachtung von menschlichen Grundrechten, wie der Bedrohung der materiellen Existenz, Zwangsarbeit und ähnlichen Widerlichkeiten auskommen. Das geht nicht? Schön, wenn eine Firma bei Respekt vor menschlichen Grundrechten nicht profitabel wirtschaften kann, soll sie es lassen.

Selbiges gilt für die Sozialbürokratien, wenn Sie keine ausreichenden Massen der Kapitalverwertung zuführen können, um sich selbst zu erhalten. Wir brauchen sie langfristig nicht, übernehmen gerne die freiwerdenden Ressourcen und Produktionsmittel und organisieren deren Handlungsfelder Stück für Stück in Eigenregie, wenn wir diese in Zukunft überhaupt für notwendig halten.

Ausblick: Statt der Arbeitslosigkeit die Erwerbsarbeit beseitigen

„Wer nicht arbeitet, soll nicht essen“

Wir verlieren nicht unser Recht auf Existenz und auf Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum, wenn unsere Arbeitskraft nicht verkäuflich ist. Außer in Gesellschaften mit ganz geringem Spielraum gegenüber der Natur, haben stets auch jene gegessen, die - aus welchen Gründen auch immer - nicht „gearbeitet“ haben. Gearbeitet unter Anführungszeichen, weil unser Begriff der Arbeit, in diesen Gesellschaften gar nicht bekannt war. Ein Mehrprodukt, dass unter denen verteilt wurde, die es nicht unmittelbar produziert haben, war praktisch immer Teil menschlicher Gruppenpraxis, und wir lassen uns in der reichsten aller historischen Gesellschaften nicht mit quasireligiösen Lehrsätzen das Existenzrecht absprechen, nur weil ein irrationales Wirtschaftssystem Amok läuft und den gesellschaftlichen Reichtum partout nur herausrücken will, wenn zuvor abstrakte Profitziffern bedient worden sind.

Das „gute Leben“ liegt jenseits der Plusmacherei

Wenn „die Wirtschaft“ keine Profite mehr erzeugen kann, schreckt uns das gar nicht. Da man Geld nicht essen kann, bedeutet dies nicht, dass diese Gesellschaft die für das Leben – ein gutes Leben - nötigen Güter nicht herstellen kann. Und das negative Menschenbild des Kapitalismus, dass die Mitglieder der Gesellschaft nur dann bereit sind, sich an dieser kollektiven Lebenssicherung zu beteiligen, wenn sie durch Eigennutz oder drohenden Existenzverlust dazu getrieben werden, teilen wir nicht, und zwar nicht, weil wir an das Gute im Menschen glauben. Vielmehr sind wir die Realisten, die erkennen, dass die Produktivkraftentwicklung nach Vergesellschaftung schreit.

Wissen, heute die Hauptproduktivkraft, entfaltet seine segensreichste Wirkung, wenn es von allen geteilt, nicht von einzelnen monopolisiert und nur gegen Bares stückchenweise verkauft wird. Die Firmen, die heute Wissen oder auch andere Produkte geistiger Tätigkeit verhökern wollen, verwenden mehr Anstrengung darauf, „ihre Urheberrechte“ technisch und juristisch zu sichern als auf die Produktion, weil dieser Raub an der Allgemeinheit immer schwieriger wird.

Selbst so biederen Ökonomen, wie dem US-amerikanische Keynesianer Dean Baker fällt auf, dass da etwas grenzwertig Wahnsinniges abläuft, auch wenn dieser die Krise nicht voll erfasst und das System retten will. So forderte er in einem Kommentar mit dem Titel „Rents are to high“, Pharmafirmen für ihre Entwicklungen gut zu bezahlen, aber ihnen doch keine Monopole mehr über diese einzuräumen, damit Medikamente zu einem erschwinglichen Preis verfügbar sind.

Bezeichnenderweise verweist derselbe Artikel darauf, dass einige der besten Softwareentwicklungen als Freeware entstanden. Ja darf es so etwas geben, ohne Eigennutz und Zwang? Nein, niemand ist ein Träumer, der einer vernünftigen, selbst bestimmten und kollektiven Nutzung der vorhandenen Reichtümer (der natürlichen und der menschlichen in Form von Wissen, Kreativität, u.ä.) das Wort redet. Was schert uns da das Verschwinden der Profite, was es zu verhindern gilt, ist das menschliche Leid, das ausgelöst werden könnte, wenn wir nicht gangbare Alternativen der Lebenssicherung durchsetzen.

Drei Dinge brauchen wir für diese Aufgabe: existenzielle Sicherheit, die übergangsmäßig noch durch die bestehenden sozialen Sicherungssysteme gewährgeleistet werden muss (zumindest teilweise), Zeit, um Alternativen zu entwickeln, und Überzeugungskraft, um allerhand internalisierte Indoktrinierungen des modernen Warensubjekts zu überwinden, bei uns selbst und anderen. Denn wie produziert, konsumiert, gelebt und auch gedacht wird, kann natürlich nicht so bleiben, wie es ist.

Das Ruinieren der natürlichen Grundlagen muss aufhören, schon im Hinblick auf die berechtigte Teilhabe jener Weltgegenden, die noch nicht im Konsummüll ersticken. Und der Planet ist eben begrenzt. Alle jene Produktionen, die Menschen nur schädigen oder verdummen, werden wir uns sparen, und die Systemerhalter in den Banken, Versicherungen und staatlichen Bürokratien, etc. brauchen wir auch nicht mehr, weil wir gelernt haben werden, uns ohne zwischengeschaltete Aufpasser zu organisieren, dafür haben wir dann Zeit.

Da werden ja alle AMS-Mitarbeiter arbeitslos, oh Schreck. Schön für sie. Sie haben dann Zeit für sich und - wenn sie wollen - gesellschaftlich nützliche Aktivitäten. Jene, die weiter Inquisitor spielen wollen, kriegen vorübergehend therapeutische Hilfe. Nach einiger Zeit findet vielleicht auch Herr Buchinger Geschmack an der Rosenzucht, um sich und seine Mitmenschen zu erfreuen und ihnen - zur Abwechslung - etwas Gutes zu tun.

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