Max Horkheimer über die Gewerkschaft als Manager der Ware Arbeitskraft

Aktiver Admin am Sa., 03.02.2018 - 19:21

Derselbe Prozeß, der in Wirklichkeit und Ideologie die Arbeit zum ökonomischen Subjekt erhoben hat, hat den Arbeiter, der schon Objekt der Industrie war, auch noch zum Objekt der Arbeiterorganisation gemacht. Indem die Ideologie realistischer wurde, nüchterner, hat sich der ihr innewohnende Widerspruch zur Wirklichkeit, ihre Absurdität, vergrößert. Während die Massen sich für die Schöpfer ihres eigenen Geschickes halten, sind sie die Objekte ihrer Führer. Freilich sichert alles, was die Arbeiterführer erreichen, den Arbeitern einige Vorteile, zumindest zeitweilig. Die Neoliberalen, die die Gewerkschaftspolitik bekämpfen, geben sich einem veralteten Romantizismus hin, und ihr Vorstoß in die ökonomische Wissenschaft ist gefährlicher als ihre Bemühungen auf philosophischem Gebiet. Die Tatsache, daß die Gewerkschaften monopolistisch organisiert sind, bedeutet nicht, daß ihre Mitglieder - abgesehen von der Arbeiteraristokratie - Monopolisten sind.

Sie bedeutet, daß die Führer das Arbeitsangebot kontrollieren wie die Direktoren der großen Gesellschaften die Rohmaterialien, Maschinen oder andere Produktionsfaktoren. Die Arbeiterführer sind die Manager der Arbeiterschaft, manipulieren sie, machen für sie Reklame und versuchen, ihren Preis so hoch wie möglich festzusetzen. Gleichzeitig hängen ihre eigene gesellschaftliche und ökonomische Macht, ihre Positionen und Einkommen, die alle der Macht, Position und dem Einkommen des einzelnen Arbeiters weit überlegen sind, vom Industriesystem ab,

Die Tatsache, daß die Organisation der Arbeit als ein Geschäft anerkannt wird wie das eines jeden auf Gewinn zielenden Unternehmens, vollendet den Prozeß der Verdinglichung des Menschen Die Arbeitskraft eines Arbeiters wird nicht nur von der Fabrik gekauft und den Erfordernissen der Technik untergeordnet, sondern auch durch die Gewerkschaften verwaltet.

Aus: Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. Seite 141, Fischer Taschenbuch, herausgegeben von Alfred Schmidt

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