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AMS Graz West

Caritas Werkstatt Steiermark/Carla Graz: Gottes Knechte kennen keine Gnade

Aktiver Admin am Di., 19.05.2015 - 21:32
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Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Interesse habe ich verschiedenste Beiträge und Erfahrungsberichte  auf Ihrer Homepage gelesen und fühle mich sehr angesprochen.

Auch ich bin betroffen und es ist mir ein Anliegen meine Geschichte zu erzählen.

Im April 2013, wurde ich aus " innerbetrieblichen Umstrukturierungen" nach 13 Jahren arbeitslos, im Alter von 51 Jahren, alleinstehend. Ich war für diese Firma im Bereich Kundentraining tätig, hab eine abgeschlossene Lehre im Einzelhandel und habe laut Erhebung der PVA 36 volle Arbeitsjahre.

Nachdem ich in den letzten 2 Jahren unendliche, meistens nicht beantwortete Bewerbungen geschrieben habe, vom AMS ganze 10 Jobvorschläge bekam, von denen einige Teilzeitjobs waren, die aus Überlebenstechnischen Gründen für mich gar nicht relevant waren, wurde ich im Februar dieses Jahres vom AMS Graz-West zu einer stattfindenden Jobbörse der bbs- Netzwerk der Beschäftigungsbetriebe Steiermark eingeladen, wo ich mich bei der Caritas (für die CARLA Läden) im Verkauf und der Sortierung vorstellen sollte. Diese Stelle sei befristet auf 3 Monate.

Die Veranstaltung fand am 24.2.2015 in den Räumen des AMS Graz-West statt. Dort stellten sich 14 Betriebe, die alle zu diesem bbs Netzwerk zusammengefasst sind,vor und stellten die 40  Jobs vor ,die zu vergeben waren.

Vom Blumensetzen auf Verkehrsinseln, über Sandstrahlen von Graffitis und Vogeldreck von den Häusern, LKW fahren und Möbel oder anderes transportieren, abladen, sortieren, Kulissenarbeiten in einem Theater, Reinigungsarbeiten aller Art, Verkauf, Fahrradreperatur, etc, etc. war alles dabei. Bei einigen wurden bevorzugt 50plus Kunden des AMS angesprochen.

Wie verlangt stellte ich mich also bei der Caritas vor und wurde auf Grund meines Lebenslaufes und meines beruflichen Werdegangs im Verkauf freudig begrüsst.Außerdem war ich noch bei 5 anderen Firmen um mich vorzustellen, meinen Lebenslauf abzugeben und mich nach möglicher Arbeit zu erkundigen.Erfolglos!

Man teilte mir beim Stand der Caritas mit es handle sich um eine Vollzeitbeschäftigung im Ausmaß von 38,5 Std. Auf meine Frage nach der Bezahlung wurde ich mit einem netto Einkommen von ca. 1050 € gar nicht freudig überrascht.

Auf meinen Einwand Vordienstzeiten, Kollektivvertrag, wurde mir von der Dame der Caritas mitgeteilt daß die Caritas einen eigenen Kollektivvertrag habe und dies die Bezahlung sei.

Auf meine Frage warum man mir nur einen befristeten Vertrag anbiete und keine fixe Stelle hieß es: Die Caritas arbeite nur mit Transitarbeitskräften, und dass seien ausschließlich befristete Stellen.

Dann machte ich die Dame darauf aufmerksam, dass ich seit 1 Jahr ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis bei der Firma Billa habe und wie sich dies mit meiser Arbeitszeit bei CARLA vereinbaren lasse da dieses Einkommen mein wirtschaftliches Überleben sichere.

Es sei nicht vereinbar, ich müsse CARLA während der gesamten Öffnungszeiten uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

Soll also heißen: Ich muß einen Job, den ich seit einem Jahr habe, von dem ich finanziell abhängig bin und den ich auf Grund meines Alters nur mit Beziehungen bekommen habe, kündigen, um für 3 Monate befristet, mit einem Gehalt mit dem ich nicht überleben kann bei einem sozialen Betrieb arbeiten der für meine Arbeitskraft auch noch die volle Förderung für die Beschäftigung einer "über 50 "bekommt?????

Jedenfalls kam am nächsten Tag der Anruf, vom Büro der Caritas, daß ich am 1.3.2015 dort zu arbeiten anfangen könne.

Ich lehnte dieses Jobangebot aus oben genannten Gründen ab, mit einem riesigen Knödel im Bauch was daraufhin passieren würde.

Am 2.4.2015 hatte ich in der bbs Koordinationsstelle ein Gespräch mit der dortigen Verantwortlichen und legte dort nochmals sachlich und klar meine Gründe dar, wobei ich auf großes Verständnis ob meiner Lage stieß und wir uns darauf einigten daß ich bbs Netzwerk wohl keine Arbeit finden werde mit der ich wirtschaftlich um die Runden käme. Sie wolle daß alles so dem AMS weitermelden.

Ich wurde zum AMS bestellt, am 28.4.2015, wo man mir mitteilte das mein Notstandsbezug für 6 Wochen gestrichen werde weil ich die Stelle bei der Caritas mit Arbeitsbeginn am 27.4.2015 abgelehnt habe und somit Arbeit verweigert hätte.

Von dem Datum 27.4. war ich mehr als überrascht, machte auch in der Niederschrift auf den genauen zeitlichen Ablauf aufmerksam, legte nochmals meine Ablehnungsgründe dar und versuchte zu erklären daß ich ja nach diesen 3 Monaten befristeter Arbeit mit der äußerst minderen Bezahlung auch keinen geringfügigen Job mehr hätte und dass ich ohne den aber nicht überlebensfähig sei.

Meine "Betreuerin" meinte daraufhin, Sie würde anstatt jeden Tag um 4 Uhr aufzustehen und den ganzen Tag hier zu sitzen auch lieber Notstand beziehen und geringfügig arbeiten gehn. OHNE WORTE

Eine geringfügige Beschäftigung sei in keiner Weise relevant, wie ich meine  Miete , meine Rechnungen meine Lebensmittel bezahlen könne genauso nicht relevant.

Für mich aber schon, ich habe immer gearbeitet, hab 2 Kinder alleine großgezogen und steh mit 53 Jahren vor der Überlebensfrage.

Eine Woche darauf kam der Bescheid dass ich für 6 Wochen meinen Anspruch verloren habe!!!!Vom 27.4 bis 7.6 2015

Wenn ich lese, daß gerade 20 Millionen € locker gemacht wurden für solche Beschäftigungsprojekte dann frage ich mich : Was ist los in Österreich???

Hier werden Menschen die in einer schwierigen Phase stecken, die mit über 50 Jahren keine Perspektive mehr am regulären Arbeitsmarkt haben weil sie " zu teuer" sind benutzt ,um billigste Arbeit zu leisten, ohne Aussicht dadurch wieder in ein Fixarbeitsverhältnis zu kommen.

Alle 3 Monate eine neue Jobbörse ....alle 3 Monate Leute vom AMS zu holen und dafür auch noch Förderung vom Staat zu kassieren unter dem Deckmantel von " dem Menschen wieder das Gefühl zu geben gebraucht zu werden...um dem Menschen Wertschätzung entgegenzubringen wenn man ihm Arbeit gibt???

Bei dem Vorgehen, befristet auf 3 Monate und dem Geld dass man für seine Arbeit erhält komm ich mir weiß Gott nicht wertgeschätzt vor sondern nur ausgenutzt und dem System hilflos ausgeliefert.

Wie soll ich nächstes Monat meine Zahlungen leisten? NICHT RELEVANT

Ich denke nicht dass die breite Öffentlichkeit weiß was auf dem Sektor Arbeitslosenmarkt alles passiert und wie man plötzlich, von einem Tag auf den anderen vor den Problemen steht sein Leben bestreiten zu können....ich würde sehr sehr gerne damit an die Öffentlichkeit gehen und werde dieses Mail in die österreichische Medienlandschaft schicken, vielleicht will jemand zuhören.

Mit freundlichen Grüßen

Sylvia Z

Caritas Werkstatt Steiermark - Carla Graz: Regeln der Zusammenarbeit

Aktiver Admin am Fr., 03.01.2014 - 17:21
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Wir empfehlen, keinesfalls diese zum Teil rechtswidrigen "Regeln der Zusammenarbeit" zu unterschreiben. Sie enthalten Regeln die das Arbeitsverhältnis als solches unzumutbar machen!

Folgende Passage sind unserer Meinung nach rechtswidrig bzw. nicht zumutbar:

"Ein weiterer Bestandteil der Dienstverwendung besteht in der Erfüllung von Aufträgen, die sich aus der sozialpädagogischen Zielarbeit ergeben"

"Bei der Erfüllung von Aufträgen aus der sozialpädagogischen Arbeit übernimmt auch die Sozialpädagogin eine Vorgesetztenfunktion"
Durch das Arbeitsrecht in keinster Weise gedeckt! Vorgesetzte dürfen nur arbeitsbezogene Anweisungen geben!

"Für Dienstschlüssel ist ein Kaution zu hinterlegen ... "
Ebenfalls rechtswidrig und bei einem Projekt für Armutsbetroffene eine unglaubliche Frechheit!

"Aus Sicherheitsgründen können jederzeit Alkoholtests durchgeführt werden"  !!!!
Eindeutig rechtswidriger Eingriff in die Persönlichkeitssphäre! Siehe OGH 9ObA23/15w

"Die Aufnahme einer Nebenbeschäftigung während des Projektaufenthalts (sic!) ist nicht vorgesehen." Eindeutig rechtwidrig - Nebenbeschäftigungen sind nur zu melden, dürfen aber nicht generell verbotgen werden! Siehe VwGH 2010/08/0123

"Änderung von Daten.  ... und das neue Dokument ist der Sozialpädagogin vorzulegen" (das geht die doch nix an, nur der Personalabteilung!)

"Der Besuch durch Bekannte und Verwandt während der Dienstzeit ist nicht gestattet - dies gilt auch für Kinder"
Sehr familienfreundlich und skurril, da mensch sowas ja nicht wirklich verhindern kann und den Schutz des Menschenrechts auf Familienleben nach Artikel 8 EMRK einschränkt!

"Entlassungsgründe"

Da erscheinen uns auch einige Punkte rechtlich so nicht gedeckt ... einmaliges Verlassen des Arbeitsplatzes ist wohl kein Entlassungsgrund

Übel: "Nichtbefolgen von Arbeitsanweisungen (auch von Sozialpädagogin)" !!!

Echt ein Hammer: "Alle Dokumente, die für ... die SozialpädagogIn während des Projektaufenthalts erforderlich sind, sind vor Ablauf des Probemonats zu erbringen."

Natürlich verstößt die Weitergabe von Daten (ohne Zustimmung) aus einem Arbeitsverhältnis sowohl gegen das Datenschutzgesetz als auch gegen die Fürsorgepflichten des Arbeitgebers.

Wer das unterschreibt, verzichtet auf wesentliche Rechte!

Siehe auch: