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AMS-Pressekonferenz „Skill Matching“, 16.12.2014: Notizen und Kommentar Dr. Claudia Hannemann und Bob Hejda

Aktiver Admin am Di., 16.12.2014 - 15:34

(ergänzt am 17.12.2014)

Das Motto der Pressekonferenz könnte gewesen sein: „ Uns kann nichts passieren, wir reden über Technik und nicht im Detail“

Herr Johannes Kopf weiß „die Antwort auf die Arbeitslosenzahlen .. und die steigende Dynamik“

Herr Herbert Buchinger sieht nach 20 Jahren AMS die große Innovation: die Skill Matching Plattform, die mit Hilfe einer niederländischen Entwicklungs-Engine konzipiert wird, die wiederum ursprünglich für eine Partnerbörse entstanden ist.

Innovativ daran ist, dass alles vollautomatisiert ist und Anpassungsprozesse (der Menschen) gefördert werden.

Herr Buchinger: „Wir sind Manager einer regierungsnahen Einrichtung“

Es gibt aber auch Schulungen für AMS-Mitarbeiter_innen für mehr Freundlichkeit im Kundenverkehr (Auf der Frage nach Lösung der menschlichen Probleme...).

Das Einzige, wovor wir uns nicht fürchten brauchen, liegt in der Ankündigung, dass das System 2020 voll in Funktion sein dürfte. Und das nur, wenn genügend Arbeitslose auf die elektronischen Angebote des AMS zugreifen. Also ist das AMS zurzeit noch auf die Kooperationswilligkeit ihrer Klienten in diesem Bezug angewiesen.

Meine Einschätzung:

Bei der Pressekonferenz waren etwa 25 Personen anwesend, wobei 10 eine Gruppe von Lehrjournalisten waren.

Eine Orientierung am Menschen und den Bedürfnissen der Menschen, kann aus dem gehörtem keinesfalls verstanden werden. Das AMS orientiert sich nach „Markt“ und den Wünschen der Industriellenvereinigung. Später will das AMS auch „mit Peergroups von Unternehmen und Klienten weiterentwickeln“.

Interessant ist, dass das der Analyseprozess, welcher mit Hilfe der niederländischen Entwicklungs-Engine für die Verwendung genau dieser Software (die bisher für das Matching in einer Partnerbörse eingesetzt wurde)vorgenommen wird, mit knapp 1 Mio. Euro veranschlagt ist. Was die Entwicklung der Plattform dann real an Kosten verursacht, ist (noch) nicht abzusehen. Das genau diese Software verwendet werden wird, scheint fest zu stehen. Ebenso wie feststeht, dass IBM weiterhin der Systempartner des AMS bleibt.

Eine Bedarfsanalyse und Analyse der bestehenden Struktur, die Festsetzung der Funktionen die das AMS anstrebt, also die Erstellung eines Pflichtenheftes durch eigene und/oder unabhängigen Fachleute, scheint nie stattgefunden zu haben. Jedenfalls wurde nichts Derartiges erwähnt.

Da es sich um eine langfristige und große Investition handelt, sollten man eine unabhängige Analyse, ein Pflichtenheft und eine internationale Ausschreibung nach Regeln des Government Procurement Agreement erwarten. Auch davon war nichts zu hören.

Herr Kopf meinte allerdings zur Verwendung der aktuellen elektronischen Angebote des AMS: „ Wenn sie Werbung dafür machen, dann sind wir ihnen sehr dankbar“.

Mehr Skurrilitäten aus der Pressekonferenz:

Die beiden Vorstände „feiern 20 Jahre AMS“.
In der Zeit davor scheint es kein Arbeitsamt gegeben zu haben..

Bei den AMS-Kund_innen, die (vor allem) elektronisch eine Frühmeldung über ihre bevorstehende Arbeitslosigkeit abgeben, verkürzte sich die Dauer der durchschnittlichen Arbeitslosigkeit um zwei Tage.
Welchen Beitrag zu dieser Verkürzung tatsächlich das AMS geleistet hat, ist nicht feststellbar.

50.000 Menschen haben bis 15.12.2014 die neue Job-App heruntergeladen. Sie wird unter anderem mit dem Beispiel „Jobs beim ORF“ vorgeführt. Es werden zwei tatsächlich bei ORF ausgeschrieben Stellen gefunden und eine, eines Unternehmens, das mit dem ORF zusammenarbeitet. Herr Kopf sagt später, er habe nicht gestern (?) extra beim ORF angerufen, dass sie die Stellen beim AMS einmelden.

Herr Buchinger bezeichnet die Skill Matching Plattform als sein persönliches Steckenpferd und betont, dass man statt des „neudeutschen“ Wortes Skills auch ein anderes deutsches Wort, nämlich Kompetenzen verwenden kann.

Die Skill Matching Plattform wird Vermittlung automatisieren, sie ist Kompetenz- und Marktorientiert und fördert die Anpassungsprozesse (der Menschen).
Menschen sollen sich wieder einmal an etwas wenig menschliches anpassen?
Gibt es eine Orientierung an den menschlichen Bedürfnissen?

Herr Buchinger: „Die Politik hat uns mehr Verantwortung für arbeitsmarktferne Personen, aufgebürdet.“ „Es geht hier um kranke Menschen und solche vor der Pension.“

B: „Die die Skill Matching Plattform wird attraktiv für Unternehmen, weil besondere Bedürfnisse von Unternehmen berücksichtigt werden können.“
Ich habe in der Veranstaltung nichts über die Bedürfnisse von den arbeitslosen Klienten des AMS gehört.

Die die Skill Matching Plattform soll ein optimales Recruiting-Tool werden und das AMS will die beste Job-Online-Plattform Europas entwickeln, die riesige Vorteile für alle in Österreich wohnenden Arbeitnehmer bringt.
..das ist selbstkommentiernd..

Auf Fragen nach dem Datenschutz wird keine Aussage gemacht, ausser das das AMS das auch jetzt sehr ernst nimmt.

Interessant war, das vorerst von Herrn Kopf von 70.000 offene Stellen gesprochen wird. Bei Nachfrage stellet sich dann heraus, dass 30.000 bestehend offene Stellen sind du 30.000 nächstes Monat offen werden, 10.000 nicht genau definiert sind. Also selbst, wenn die Zahlen korrekt sind, dann sind es maximal 40.000 offene Stellen, welche den gut 400.000 gemeldeten Arbeitssuchenden gegenüber stehen. Angeblich werden nur 36% aller offenen Stellen ans AMS gemeldet. Und es werden vor allem Stellen mit geringen Qualifikationen gemeldet.

Die Entwicklung der Nutzung des E-AMS ist sehr unterschiedlich in den jeweiligen Geschäftsstellen und bewegt sich von 10% bis 50% der Klienten der jeweiligen Geschäftsstelle. Die Nutzungsgrad schwankt also „vertriebsorentiert“.

Auf die Frage nach Verbesserung der menschlichen Qualität im Kontakt mit den AMS-Klient_innen erfahren wir, dass es in zwei Bezirksstellen 2015 einen Versuch mit massiv mehr Personal geben wird.

Eine Journalistenfrage nach den wichtigsten Wünschen an die Regierung, wird so beantwortet:

  1. Bildungsreform bis hinunter zur Früherziehung (beide Vorstände)
  2. Die (für das AMS maßgeblichen) Regulative vereinfachen
  3. Mehr Ressourcen für die Arbeitsmarktpolitik
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