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Sozialrassistische Hetze in "Unsere Zeitung" gegen Arbeitslose und BGE

Aktive Arbeits… am Don, 10.03.2016 - 20:45
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Guten Tag,

laut Eurer Eigendefinition seid Ihr gegen Rassismus, Sexismus usw. und entscheidet im Konsens, weshalb ich mich wundere, dass ihr das üble sozialrassistische Machwerk "Ein gutes Leben für alle" das unter Missbrauch der unsäglichen Studie "Die Arbeitslosen von Marienthal" (das ja eine ganz spezielle Konstellation einer abgeschlossenen ArbeiterInnensiedlung untersuchte) behauptet, die Arbeitslosigkeit an sich (und nicht das kapitalistische System und die Repression gegen Erwerbslose) zerstöre die Persönlichkeit und anderen reaktionären Unfug verbreitet.

Die pauschale Stimmungsmache gegen BefürworterInnen des BGE ist völlig inakzeptabel.

Auch der geradezu faschistoide Lohnarbeitsfetischismus, demzufolge der Mensch nur durch die Lohnarbeit eine Würde habe, ist reaktionär.

Schon alleine die Angst, niemand würde arbeiten gehen, ist ein durch und durch rechte Stimmungsmache. Dieser Artikel verbreitet viel Unsinn.

Er verteidigt er sogar die "paritätische Sozialversicherung" - sprich die Beteiligung der Unternehmer an einer ursprünglich zum Teil von Gewerkschaften selbst organisierten Solidarsystems das keinesfalls unter die Kontrolle des Staates und der Unternehmer hätte fallen sollen. Siehe 2. und 3. Gewerkschaftskongress: http://www.arbeitslosennetz.org/gewerkschaft/diskussion/zweiter_dritter_gewerkschaftskongress.html

Lernens einmal Geschichte!

Steht die Redaktion wirklich hinter diesem üblen, rechten Hetzartikel? Wir verlangen den Rückzug dieses unglaublich reaktionären Artikels bzw. die Möglichkeit einer gleichwertigen Gegendarstellung, die natürlich zu bezahlen ist, weil ihr diesen Unsinn in die Welt gesetzt habt und wir besseres zu tun hätten als jeden Unsinn zu bekämpfen.

Mit basisgewerkschaftlichen Grüssen

Martin Mair
Obmann "Aktive Arbeitslose Österreich"


Nachricht an die Mailingliste des Runden Tisches Grundeinkommen Austria

Am 17.11.2015 um 19:22 schrieb AKTIVE ARBEITSLOSE:

Liebe Leute,

im Online-Projekt "Unsere Zeitung" ist ein übler Hetzartikel gegen das
BGE veröffentlich worden, der die unsägliche Marienthal Studie
mißbraucht um zu behaupten, dass Arbeitslosigkeit an sich die
Persönlichkeit zerstöre und weiter wird behauptet, dass die
BGE-Befürworter asozial seien ...

http://www.unsere-zeitung.at/2015/11/13/ein-gutes-leben-fuer-alle

Laut Eigendarstellung ist dieses Projekt gegen Rassismus usw. und
entscheidet im Konsens, weshalb mich wundert, dass dieser zutiefst
sozialrassistische Artikel dort veröffentlicht worden ist.

http://www.unsere-zeitung.at/2014/11/10/spielregeln-und-grundsaetze/

Interessant dass Diskriminierung wegen Behinderung usw. oder "sozialen
Status" nicht angeführt wird ...

Vielleicht will der runde Tisch da eine Stellungnahme schreiben?

LG

Martin Mair


Reaktion von Karl Reitter auf den Artikel in "Unsere Zeitung"

Lieber Martin,

der Text ist "super", da werden wirklich alle dümmlichen Argumente gesammelt vorgetragen. Hat auch was. Ich habe überdies eine kleine Bemerkung zur Marienthal Studie geschrieben, die in der nächsten "Volksstimme" veröffentlicht wird.

lg. Karl Reitter

Nicht ohne Kommentar darf die als sozialempirisches Wunderwerk herumgereichte Studie Die Arbeitslosen  von Marienthal von Marie Jahoda, Paul Lazersfeld und Hans Zeisel bleiben. Die Studie wurde 1933 in einem keinen Industrieort in Niederösterreich durchgeführt. Marienthal war von einer einzigen Fabrik, einem 1830 gegründeten Textilunternehmen, abhängig. Dieses geriet im Zuge der damaligen Weltwirtschaftskrise in Turbulenzen und es kam zu Massenentlassungen, die das ganze, rund um die Fabrik entstandene Dorf betrafen.

Die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung waren erbärmlich. Maria Hintersteiner  berichtet von Lohnstreiks und Arbeitskämpfen im Werk. Die Löhne waren oftmals sogar niedriger als die darauffolgende Arbeitslosenunterstützung. Das alles hindert die MacherInnen der Studie nicht, die Zeit der Erwerbstätigkeit als wahres Idyll, die Zeit der Arbeitslosigkeit als wahre Hölle darzustellen. Die Arbeitslosen treten uns in dieser Untersuchung als passives, stummes Objekt entgegen. Sie artikulieren sich nicht, sie kämpfen nicht, sie bedürfen der Wissenschaftler aus dem fernen Wien, die uns sagen, wie es ihnen ergeht und was sie benötigen: Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit.

Auf einem Parteitag der SPD im Jahre 1982 formulierte Jahoda Klartext: „Kollektiv organisierte Arbeit ist die unumgänglich notwendige Grundlage aller modernen Gesellschaften, und diese kollektive Organisation hat Folgen für den Erlebnisbereich der Menschen ganz unabhängig davon, ob sie ihre Arbeit lieben oder hassen. (…) Wie sehr wir uns alle auch oft über notwendige und geforderte Aktivität beklagen - der Zwang von außen ist in Wirklichkeit für alle Menschen eine Anregung und eine Hilfe.“ (Jahoda 1982; Internetquelle)  So wird aus der Schufterei in einer üblen Ausbeuterbude „kollektiv organisierte Arbeit“ und der brutale Zwang zur Lohnarbeit „Anregung und Hilfe“.

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