Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.

Altersdiskriminierung

Altersdiskriminierung durch die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit – Künstlervermittlung (KV) Leipzig

Nachtgespenst am Do., 14.06.2018 - 00:12
Body

Da die ZAV (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung) der Bundesagentur für Arbeit auch mit dem Team4 - einer Beratungs- und Betreuungseinrichtung des AMS - kooperiert, dachte ich mir, dass mein Erfahrungsbericht vielleicht auch für andere Betroffene interessant sein könnte.

Zu meiner Biographie

Ich bin ausgebildete Sängerin und deutsche Staatsbürgerin mit derzeitigem Wohnsitz in Wien, Österreich. Nachdem ich hier in Wien unter großen persönlichen Opfern noch ein Gesangsstudium (Fachrichtung Opernrepertoire) absolviert habe, bin ich schon seit Jahren vorwiegend selbstständig als freischaffende Künstlerin und Musikpädagogin tätig. Daneben bewerbe ich mich aber auch um Vakanzen in Opernchören – vorausgesetzt, dass geeignete Stellenangebote (2. Sopran) vorhanden sind. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich mit meinen 58 Jahren noch recht jung aussehe. Dank gewissenhaftem Training und diverser Weiterbildungen im Bereich Operngesang/Belcanto klingt auch meine Stimme noch nicht alt.

Da ich jedoch gerade im Chorbereich leider immer wieder mit dem Problem der Altersdiskriminierung konfrontiert bin, war ich zur Sicherung meiner Existenz und meiner Altersversorgung in den letzten Jahren immer wieder gezwungen, branchenfremde, dazu meist noch schlecht bezahlte Jobs in der Erwachsenenbildung anzunehmen.

Nachdem ich durch meine letzten anstrengenden Jobs im Trainingsbereich fast in einen Burn-out geschlittert wäre, bin ich seit Ende 2017 hier in Wien wieder einmal arbeitslos gemeldet. Gegenwärtig werde ich noch durch das Team4, KünstlerInnenservice, eine Beratungs- und Betreuungseinrichtung des AMS (Arbeitsmarktservice) Wien, betreut.

Vom 19. Februar bis 23. März 2018 nahm ich erfolgreich an einer Meisterklasse für SängerInnen teil, welche vom Team4 Wien, in Kooperation mit der Firma ARS (Art Rotation Service, Graz) veranstaltet wurde.

Altersdiskriminierung durch die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), Künstlervermittlung (KV) Musiktheater/Leipzig, anlässlich eines Vorsingens in Wien

Am 2. Mai erhielt ich vom Team4 eine Einladung zu einem Chor-Vorsingen, das von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit –Künstlervermittlung (KV) Musiktheater/Leipzig – angeboten wurde und am 18. Mai hier in Wien stattfinden sollte.

Da solche Vorsingtermine hier in Wien äußerst selten (wenn überhaupt) angeboten werden, nahm ich diese Einladung natürlich gern an und meldete mich sogleich zum Vorsingen an. Vorzubereiten waren 4 – 5 Opernarien, darunter die Arie der Pamina aus Mozarts Zauberflöte (Ach ich fühl’s, es ist verschwunden) als Pflichtstück. Nachdem ich mich zwei Wochen lang intensiv auf diese Audition vorbereitet hatte, nahm ich an dem Vorsingen am 18. Mai selbstverständlich teil.

Nach meinem Vortrag meinte der zuständige Mitarbeiter der Künstlervermittlung Leipzig anerkennend, es sei ganz klar, dass ich einen professionellen Background habe. Auch vom Leiter des Team4 Wien (der ansonsten recht kritisch ist) bekam ich ein anerkennendes Lob: „Schön!“, äußerte er sich zu meinem Vortrag und klopfte mir auf die Schulter.

Trotz allem gab der Leiter der KV Leipzig mir deutlich zu verstehen, dass er aufgrund meines Alters keine Chance mehr sehe, mich für eine Vakanz in einem Opernchor zu vermitteln. Nach seinen Worten kommen mittlerweile auf eine freie Stelle im Opernchor rund 120 BewerberInnen.

Es gäbe zwar seit einigen Jahren ein Gleichstellungsgesetz, wonach ältere BewerberInnen nicht diskriminiert werden dürften, jedoch liege die Altersgrenze inoffiziell nach wie vor bei 35 (!) Jahren. (So ist das übrigens auch bei Orchestermusikern.) Dies hätte zur Folge, so der Leiter der KV Leipzig, dass ältere BewerberInnen von den Opernhäusern zwar zum Vorsingen eingeladen würden und häufig sogar an der zweiten Runde mit der Pflichtarie noch teilnehmen dürften (weil die Theater dazu verpflichtet seien). Jedoch würde man dann trotz allem nicht eingestellt, und ich müsste ja verstehen, dass die Chordirektoren an den Opernhäusern lieber „junge Gesichter“ (Originalton) sehen wollten! Aus diesem Grunde sehe er für mich nun einmal keine Chance auf eine Vermittlung in einen Opernchor.

Die Folgen der Altersdiskriminierung: Hartz IV, Niedriglohnsektor und Altersarmut

Ich bin, ehrlich gesagt, entsetzt darüber, dass sich an dieser Situation und an diesem diskriminierenden Verhalten in all den Jahren, seitdem ich meine Heimat Deutschland verlassen habe, immer noch nichts geändert hat! In meinen Augen ist das Verhalten sowohl des Leiters der KV Leipzig (einer Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit!) als auch der Chordirektoren an deutschen Opernhäusern in hohem Maße diskriminierend. Und ich bin keineswegs bereit, dies hinzunehmen!

Ich erinnere in diesem Zusammenhang daran, dass in Deutschland das Regelrentenalter – auch für Frauen – inzwischen auf 67 (!) Jahre angehoben wurde! In der Praxis bedeutet das für betroffene BewerberInnen: Mit über 35 Jahren bekommen sie keinen Job mehr – und das, obwohl sie noch ganze 32 Jahre (!) bis zu ihrer Rente vor sich haben! (Das ist ja leider auch in anderen Branchen nicht viel anders.)

Und was machen die Betroffenen in diesen langen 32 Jahren? Bestenfalls können sie vielleicht noch eine Umschulung machen, deren Kosten dann oft nicht einmal von der Bundesagentur für Arbeit übernommen werden. Außerdem gibt es ja auch nach einer solchen Umschulung keineswegs eine Garantie dafür, dass es in der neuen Branche nicht auch Altersdiskriminierung gibt (wenn es sich auch meist um eine versteckte Diskriminierung handelt, da dieses Phänomen ja wegen des Gleichstellungsgesetzes niemals offen ausgesprochen wird).

Was passiert dann also mit den betroffenen Bewerbern? Sie rutschen entweder in Hartz IV oder müssen sich mit mies bezahlten Jobs im Niedriglohnsektor herumschlagen, bis sie von diesem fast ein halbes Leben dauernden Martyrium „erlöst“ werden und endlich in Pension gehen können! – Und dann ist auch noch Altersarmut vorprogrammiert!

Persönliche Konsequenzen

Wenn ich heute gefragt werde, wie es mir geht und was ich jetzt so mache, pflege ich zu sagen: „Danke der Nachfrage! Ich genieße meinen erzwungenen Vorruhestand!“ Wenn es in Deutschland nicht mehr erwünscht ist, dass Menschen über 35 ihre künstlerische Tätigkeit (für die sie ein teures Studium auf sich genommen haben) beruflich ausüben, dann sollen die Politiker uns wenigstens in Ruhe lassen und nicht noch von uns verlangen, bis zum Umfallen in branchenfremden, noch dazu mies bezahlten Jobs zu arbeiten!

Altersdiskriminierung gibt es zwar auch hier in Österreich. Auch hier sind die Politiker ziemlich betriebsblind, lethargisch und unfähig, wenn es um dieses Thema geht. Aber es gibt einen gravierenden Unterschied: Als Frau kann ich in Österreich – im Gegensatz zu Deutschland – (noch) mit 60 in Pension gehen! Also werde ich das menschenverachtende, zermürbende Erwerbsleben im Oktober 2019 endlich hinter mir haben! Dann interessiert mich das alles nicht mehr, und die Herren Chordirektoren können mich mal kreuzweise!

Dass ich nach Abschluss meines Gesangsstudiums in Österreich geblieben bin, war also trotz allem die richtige Entscheidung. Wäre ich nach Deutschland zurückgekehrt, wäre ich (infolge der nach wie vor üblichen Altersdiskriminierung) wohl längst in Hartz IV abgerutscht und müsste mich obendrein noch sieben Jahre lang (bis zum Renteneintritt) mit den Jobcentern herumschlagen! Doch Gott sei dank habe ich mich anders entschieden! Nun kann sich das stets so hoch gelobte Deutschland meine Versicherungsbeiträge und meine Steuerzahlungen endgültig in die Haare schmieren! Da auf meine Arbeit ganz offensichtlich kein Wert mehr gelegt wird, ist es mir mittlerweile auch egal geworden, wenn im Alter der Staat (bzw. der Steuerzahler) die Konsequenzen tragen muss.

Fazit

Wenn es um das Thema Altersdiskriminierung geht, sind nun einmal die Politiker gefragt. Aber die laufen offensichtlich mit Scheuklappen herum, verschließen die Augen und Ohren vor diesem immer noch hochaktuellen Problem! Das Gleichstellungsgesetz ist nichts als eine Farce, solange es nicht energisch und effizient umgesetzt – sprich: mittels Sanktionen gegenüber diskriminierenden Arbeitgebern durchgesetzt – wird!

Wenn unsere Politiker es in all den Jahren nicht geschafft haben, ihre „Hausaufgaben“ zu machen, dann müssen wir eben aus der Not eine Tugend machen und unsere Auftritte selbst organisieren. Oder wir bleiben am besten gleich zu Hause und singen unsere Arien für uns allein im stillen Kämmerlein! So werden wenigstens unsere geduldigen (ebenfalls verarmten) Nachbarn noch mit Gratiskonzerten versorgt!

Anmerkung

Da der geschilderte Fall die ZAV (KV Leipzig) der Bundesagentur für Arbeit in Deutschland betrifft, sah ich mich veranlasst, mich mit einer Beschwerde an das Büro gegen Altersdiskriminierung (BALDIS) in Köln sowie an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS Bund) in Berlin zu wenden. Mein Erfahrungsbericht ist auch auf der Website von BALDIS veröffentlicht: https://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=9163

Von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erhielt ich die Nachricht, dass meine Beschwerde an die ZAV (KV Leipzig) weitergeleitet wurde. Die Antwort der ZAV steht noch aus. Ich werde weiter berichten.

FAB BBE 50plus: Erfahrungsbericht einer verhinderten Trainerin (September 2014)

Aktiver Admin am Di., 23.09.2014 - 19:27
Body

September 2014

Bei meinem letzten Besuch im AMS Schönbrunner Straße entdeckte ich einen Folder der Firma FAB mit der Bezeichnung „BBE 50plus“. Da ich als Trainerin bereits einige (übrigens gute!) Erfahrungen mit der Zielgruppe 50plus machen konnte, schickte ich eine Initiativbewerbung an die Firma FAB und wurde auch prompt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Das Gespräch fand am Montag, 1. September 2014, bei der Firma FAB im 10. Bezirk statt.

Nachdem ich zunächst von meinen Erfahrungen als Trainerin, speziell mit der Zielgruppe 50plus, berichtet hatte, ging die Personalsachbearbeiterin gleich in medias res: Sie betonte immer wieder, dass es sich hier nicht um einen regulären Kurs, sondern um eine „Beratungs- und Betreuungseinrichtung“ (BBE) handelte und dass es dafür ganz klare Vorgaben seitens des AMS gäbe. Die wichtigste Vorgabe sei, mindestens 30 % (!) der zugebuchten arbeitslosen Personen über 50 Jahre wieder in einen Job zu vermitteln!

Sofort wurde mir klar, dass es hierbei weniger (oder gar nicht) um den Menschen geht (bzw. darum, welcher Job für einen älteren Arbeitslosen wohl am besten geeignet sein könnte und seiner Qualifikation am besten entsprechen würde), sondern in erster Linie – wenn nicht gar ausschließlich – um die Vermittlungsquote! Es war in dem Gespräch auch von den berühmt-berüchtigten SÖBs und von Arbeitsstiftungen die Rede. (Dass solche Einrichtungen für die BBE 50plus eine große Rolle spielten, war deutlich zu spüren und wurde auch so kommuniziert!)

Ich habe daraufhin (durch das Reizwort „Vermittlungsquote“ innerlich schon ziemlich aufgebracht) ganz provokativ gefragt, wie sie denn diese vorgegebene Quote von 30 % überhaupt realisieren wollten, was sie denn mit jenen älteren Menschen zu tun gedenken, die aufgrund körperlicher oder psychischer Beschwerden nicht vermittelt werden können – und ob sie diese Menschen denn auch gegen ihren Willen in einen Job „pushen“ würden – und was sie schließlich tun würden, wenn so jemand am Arbeitsplatz kollabieren würde! – Diese Frage wurde von meiner Interview-Partnerin eher ausweichend beantwortet (kein Wunder, denn für solche Probleme fühlt sich die BBE offensichtlich nicht zuständig)! Dagegen betonte sie immer wieder, dass die 30 % ige Vermittlungsquote nun einmal die Vorgabe vom AMS sei und die BBE 50plus daher bestrebt sei, diese zu erfüllen!

Ich habe im Verlauf des Gesprächs auch danach gefragt, was die Firma FAB bzw. die BBE 50plus denn mit den qualifizierten älteren Arbeitslosen – z. B. AkademikerInnen, KünstlerInnen etc. – zu tun gedenke. Daraufhin antwortete die Personalsachbearbeiterin, dass arbeitslose KünstlerInnen entweder den „Einsatzbereich wechseln“ oder sich selbstständig machen sollten.

Nach allem, was ich nun schon wusste, war für mich das Maß voll! Während des Vorstellungsgesprächs habe ich deutlich meine Meinung zum Ausdruck gebracht: Wenn es der Firma FAB ausschließlich um die Vermittlungsquoten und nicht um den Menschen gehe, so würde ich lieber gleich absagen! – Nachdem ich mich von diesem ganzen menschenverachtenden System deutlich distanziert habe, kann man sich wohl denken, wie das Vorstellungsgespräch bei der BBE 50plus ausgegangen ist! Natürlich habe ich eine Absage bekommen - worüber ich (nach einem Burn-out vor mehr als einem Jahr) aber auch ganz froh bin! Denn gegen mein eigenes Gewissen zu handeln, das lehne ich konsequent ab! Jetzt bin ich erst mal für das Unternehmensgründungsprogramm vorgemerkt, um wenigstens vor diesem ganzen System endlich (zumindest vorübergehend) meine Ruhe zu haben!

Fazit: Nach meinem Eindruck kann die BBE 50plus weder für qualifizierte ältere Arbeitslose (AkademikerInnen, KünstlerInnen etc.) noch solche mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen auch nur annähernd geeignete Jobs anbieten! Stattdessen sollen die Betroffenen in einen anderen „Einsatzbereich“ – d. h. in den zweiten Arbeitsmarkt – abgedrängt werden!

Es ist zynisch, einerseits über den angeblichen Fachkräftemangel zu jammern und gleichzeitig die älteren (durchaus qualifizierten) Arbeitslosen in SÖBs und Arbeitsstiftungen zu drängen, wo sie für Hungerlöhne niedere Arbeiten verrichten müssen! - Dazu kann ich nur sagen: Wehret den Anfängen! Denn das ist der Anfang vom Faschismus! (Letzteres wurde mir auch von einer netten Kollegin, einer gebürtigen Rumänin, bestätigt: Sie sagte mehrfach, dass der derzeitige Zustand in Österreich (in Europa überhaupt) in vielen Punkten mit dem Zustand Rumäniens in den späten 80er Jahren vergleichbar sei und dass der Zwang, jede „zumutbare“ Arbeit annehmen zu müssen, damals unweigerlich in die Diktatur Nicolae Ceaușescus geführt habe!

Das Abschieben in SÖBs und Arbeitsstiftungen (also in den zweiten Arbeitsmarkt) lediglich aufgrund des Alters und ungeachtet der Qualifikation ist aus meiner Sicht eine eindeutige Altersdiskriminierung und somit ein Fall für die Gleichbehandlungsanwaltschaft, Abteilung II! – Daher rate ich allen betroffenen älteren Arbeitslosen, die sich durch solche Maßnahmen diskriminiert, dequalifiziert und erniedrigt fühlen, sich zu vernetzen und gegen diese menschenverachtenden Maßnahmen auf die Barrikaden zu gehen! – Eine Sammelklage bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft, Abteilung II oder – vermutlich noch besser und effektiver – beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte – wäre vermutlich der beste Weg, um gegen dieses Zwangsregime vorzugehen!

Soweit mein Erfahrungsbericht aus der Sicht einer (ehemaligen) Trainerin und Bewerberin (selbst 50plus).

Nun würden mich die Berichte der betroffenen Teilnehmer/innen interessieren! Bis die ersten Erfahrungsberichte Betroffener eingehen, wird es aber sicher noch eine Weile dauern, da diese Maßnahmen für ältere Arbeitslose erst vor Kurzem begonnen haben.

itworks: Diskriminierung älterer ArbeitnehmerInnen, Vereitelung von Initiativbewerbungen und Abschieben in den zweiten Arbeitsmarkt (Frühjahr 2014)

Aktiver Admin am Fr., 07.03.2014 - 18:33
Body

Kürzlich musste auch ich eine unliebsame – noch dazu diskriminierende Erfahrung mit dem AMS und dessen Zwangsmaßnahmen machen. Ich bin Akademikerin mit abgeschlossenem Musikstudium (Staatliche Prüfung für Musiklehrer, Diplom im Hauptfach Opernrepertoire) und einer sprachlichen Fachausbildung (IHK-Abschluss als Fremdsprachenkorrespondentin in Englisch und Französisch, Kurse der Aufbaustufe in Italienisch und Spanisch sowie Zertifikat für SprachkursleiterInnen). Neben meiner qualifizierten Ausbildung im musikalischen und sprachlichen Bereich verfüge ich über langjährige Berufspraxis als Sängerin, Musikpädagogin, Sprachtrainerin, Musikrezensentin und Fremdsprachenkorrespondentin.

Wegen meines nicht mehr ganz so jungen Alters (54 Jahre) bin ich zunehmend mit dem Phänomen der Altersdiskriminierung konfrontiert. Außerdem wird es für mich (wie auch meine jüngeren KollegInnen) infolge der Wirtschaftskrise zunehmend schwieriger, in meinem Beruf als Sängerin (Klassik/Oper) und Musikpädagogin Fuß zu fassen. Aber auch im sprachlichen Bereich sieht es derzeit leider nicht besser aus.

Wegen der zunehmenden Altersdiskriminierung – gerade auch in Deutschland und Österreich – erhalte ich, wenn überhaupt, nur noch aus dem Ausland Einladungen zu Vorsingen (wie im April 2013 in Palma de Mallorca und kürzlich, im Jänner 2014, in Verona).

Durch den ständigen Zwang, Geld verdienen zu müssen, war es mir in den letzten Jahren immer weniger möglich, mich auf meinen eigentlichen Beruf zu konzentrieren. So nahm ich im April 2012 einen Interimsjob als Trainerin in einer AMS-Maßnahme an - eine Arbeit, die ich mir aus der Not heraus selbst gesucht hatte. Wie sich jedoch schon bald herausstellte, zehrte dieser Job so sehr an meinen Kräften, dass ich für meine eigentliche Berufung, das Singen, und für die notwendigen täglichen Proben weder die Zeit noch die Energie aufbringen konnte. Nachdem die anstrengende Tätigkeit als Trainerin mich schließlich in den Burn-out getrieben hatte, war ich fast ein Jahr lang arbeitslos.

Zunächst hatte ich noch das Glück, vom Team4 (KünstlerInnenservice) betreut zu werden und einen speziellen Kurs für SängerInnen besuchen zu können, der mir wenigstens fachlich etwas gebracht hat. Als jedoch meine Betreuungszeit beim Team4 endete, wurde es allmählich eng für mich.

So hatte ich nun erneut das "Vergnügen", nicht mehr als Trainerin, sondern als Teilnehmerin in diversen AMS-Kursen auch die andere Seite gründlich kennenzulernen! Im Übrigen nutzte ich die verbleibende Zeit, um (nach der durch den Job veranlassten Zwangspause) meine Stimme wieder aufzubauen und mich auf diverse Vorsingtermine vorzubereiten.

Anfang Dezember bewarb ich mich um ein Vorsingen für den Chor der ARENA DI VERONA und erhielt auch prompt eine Einladung zum Vorsingen für den 27. Jänner 2014. Ich hatte gerade mein Arienrepertoire festgelegt, mit der Vorbereitung begonnen und für den 26. Jänner 2014 auch bereits ein Zugticket sowie ein preiswertes Hotel gebucht - da kam auch schon wieder der nächste Hammer:

Kurz vor Weihnachten erhielt ich vom AMS Wien eine Vorladung zu Itworks! Das Schreiben hatte folgenden Wortlaut:  „…wir können Ihnen im Rahmen eines vom Arbeitsmarktservice geförderten sozialökonomischen Betriebes ein Arbeitsverhältnis anbieten: Itworks GmbH – Vorauswahltermin.“ Es folgte dann auch gleich die ganze Litanei mit den üblichen Belehrungen über Teilnahmeverpflichtungen, Bezugssperren etc.

Die Maßnahme sollte am 16. Jänner 2014 (also gerade mal 10 Tage vor meiner geplanten Abfahrt nach Verona) beginnen!

Nach allem, was ich über Itworks schon wusste, läuteten bei mir natürlich sofort die Alarmglocken! Als ältere Arbeitslose sollte ich durch diese Itworks-Maßnahme in ein sogenanntes Transitarbeitsverhältnis (und somit in den zweiten Arbeitsmarkt) abgeschoben werden! In Zeiten wie diesen hilft da offenbar auch kein akademischer Abschluss! Da in der Einladung – oder besser gesagt: Vorladung – besonders ältere Arbeitslose angesprochen wurden, roch dies für mich geradezu nach Altersdiskriminierung! Natürlich war und bin ich nicht bereit, das zu akzeptieren!

Ich schrieb daraufhin gleich ein Mail an die für mich zuständige AMS- Regionalgeschäftsstelle in der Schönbrunner Straße und bat, mich zumindest im Jänner (vor dem Vorsingen) von der Verpflichtung der Teilnahme an der Maßnahme bei Itworks zu entbinden, da eine Teilnahme an dem Vorsingen in Verona mir nur dann möglich sei, wenn eine professionelle Vorbereitung, ein vollkommen ausgeruhter Körper sowie eine ungeteilte Konzentration auf den Vorsingtermin und die einzustudierenden Partien gewährleistet seien.

Daraufhin erhielt ich jedoch nur eine lapidare, äußerst unbefriedigende Rückantwort vom AMS: ich möge meine Teilnahme am Vorsingen doch bitte mit den zuständigen TrainerInnen von Itworks absprechen! – Und was das bedeutete, war mir klar: das AMS hatte mich also schon mit der Zubuchung zu Itworks abgeschoben und fühlte sich für mich nicht mehr zuständig! Das AMS war also auch nicht im Geringsten bereit, auf meine dringende Bitte einzugehen!

Gleichzeitig wurde mir klar, dass ich mein Vorsingen in Verona unter diesen Umständen gleich abschreiben konnte! Denn schließlich ging es ja in diesem Fall nicht nur um die Teilnahme und das bloße Erscheinen beim Vorsingen, sondern um eine professionelle, intensive Vorbereitung! – Es dürfte in einem Kulturland wie Österreich wohl hinlänglich bekannt sein, dass die sängerische Konkurrenz an internationalen Opernbühnen nicht schläft und dass allein schon die Vorbereitung auf ein solches Vorsingen – einschließlich der Einstudierung der Arien, Erarbeitung der italienischen Texte sowie der täglichen Proben – einem Fulltime-Job entspricht!

Aufgrund der widrigen Umstände, die sich für mich durch die Zubuchung zu Itworks ergaben, sah ich mich schließlich gezwungen, meine Teilnahme am Vorsingen abzusagen und meine Reise zu stornieren (was mit erheblichen Stornogebühren seitens der ÖBB verbunden war)! – Eine solche Absage ist jedoch (gerade auch für ältere Arbeitssuchende wie mich) sehr ärgerlich, zumal die Einladungen zu Vorsingen in diesem Alter ja nicht gerade reichlich gesät sind!

Wenigstens konnte ich die Zwangsmaßnahme bei Itworks mit ein wenig Glück dann doch noch abwenden:

Ich war gerade im Begriff, einen Beschwerdebrief an die Ombudsstelle bzw. die Landesgeschäftsstelle des AMS zu verfassen, da erhielt ich kurzfristig einen Anruf von meinem ehemaligen Arbeitgeber mit der Anfrage, ob ich nicht kurzfristig eine Vertretung - diesmal als Trainerin für Englisch - übernehmen könne, da dringend eine Krankheitsvertretung gesucht werde.

In meiner misslichen Lage sagte ich kurz entschlossen zu und habe nun seit dem 9. Jänner 2014 wieder einen (erneut anstrengenden und branchenfremden, aber wenigstens „normal“ vergüteten) Job, diesmal als Englisch-Trainerin mit 30 Wochenstunden - und wie könnte es anders sein: natürlich wieder in einer Arbeitslosenmaßnahme! Inzwischen spreche ich schon von einer Arbeitslosen-Industrie!

Während überall nur vom angeblichen Fachkräftemangel die Rede ist, muss ich als Trainerin erneut feststellen, dass diese Fach- und Führungskräfte, Ingenieure und andere hochqualifizierte AkademikerInnen in unseren Kursen sitzen – statt in gut bezahlten Jobs ihr Geld verdienen zu können! Außerdem finden sich in unseren Kursen auch jetzt wieder auffällig viele Arbeitsuchende über 45 bzw. über 50 Jahre. Ich muss gestehen, dass ich - angesichts solcher Zustände - dieses ewige Gejammere vom angeblichen Fachkräftemangel in den Medien nicht mehr hören kann!

Und die Politiker bzw. das AMS wissen auf diese Probleme keine andere Antwort als Zwangsmaßnahmen und - im schlimmsten Falle - auch noch Bezugssperren zu verhängen!

Doch was der sog. „Sozialminister“ Hundstorfer jüngst verlauten ließ (siehe STANDARD vom 21. Februar 2014: http://derstandard.at/1392686007868/Koalition-einigte-sich-auf-Arbeitsmarktpaket), das ist wirklich der Gipfel! Zur „Förderung älterer Arbeitnehmer“ solle, so heißt es da, „verstärkt in die Integration in sozialökonomischen Betrieben, also den zweiten Arbeitsmarkt, investiert werden." Und weiter: Hundstorfer erwarte sich „durch die Schaffung von Stellen für ältere Arbeitnehmer in sozioökonomischen Betrieben eine Verringerung der Arbeitslosigkeit."

Spätestens jetzt müssten bei jedem älteren Arbeitnehmer die Alarmglocken schrillen! Sozialökonomische Betriebe, Transitarbeitsverhältnisse, zweiter Arbeitsmarkt - ein Schreckgespenst, mit dem bereits jetzt Langzeitarbeitslose, auch qualifizierte Arbeitsuchende, AkademikerInnen, Fach- und Führungskräfte eingeschüchtert werden, soll also noch weiter ausgebaut werden! Und das nennt sich auch noch hochtrabend "Förderung älterer Arbeitnehmer"! Das ist also das Einzige, was man der sogenannten "Generation 50+" zu bieten hat!

Dazu habe ich nur eines zu sagen: Liebe „Mit-Fuffziger", auf die Barrikaden! Das ist eine Frechheit, eine Altersdiskriminierung ohnegleichen! Wehren wir uns endlich, bevor es zu spät ist!

Es wäre angesichts dieser Entwicklungen auch zu erwägen, ob der Verein AKTIVE ARBEITSLOSE zusammen mit anderen Arbeitsloseninitiativen und betroffenen älteren ArbeitnehmerInnen nicht eine Sammelklage wegen Altersdiskriminierung bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft einreichen sollte. Hier sind die Kontaktdaten:

Gleichbehandlungsanwaltschaft

Taubstummengasse 11
1040 Wien
Tel.: +43 1 53 20 244
aus ganz Österreich zum Nulltarif: 0800 206 119
Fax: +43 1 53 20 246
E-Mail: gaw@bka.gv.at

Im letzteren Fall könnt ihr jedenfalls mit meiner Unterstützung rechnen. (Bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft bin ich nämlich durch diverse Erfahrungen mit Altersdiskriminierung schon bekannt!) – Zumindest wäre es einen Versuch wert!

Sylvia K.